Rückmeldung aus der Praxis als Trauerredner

Jörg Bertsch, Basel

Der ehemalige Redakteur Jört Bertsch schloss seine Ausbildung als Trauerredner am ZTL ab und erinntert sich an seine langjährige Tätigkeit als Trauerredner in Basel. Im Nachfolgenden ein Zeitungsartikel von Gabriele Hauger.

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Magdalene Werner, Dresden

Guten Tag Herr Rostig,

am Freitag, dem 10.01. durfte ich meine erste Rede halten und wurde mit liebevollem Dank der Angehörigen und eindrucksvollem Feedback durch den Bestatter beschenkt.
EDEN Bestattungen bringt mir Vertrauen entgegen und übergibt mir Verantwortung. Ich durfte seither mit Familien unterschiedlichster familiärer Hintergründe sprechen. Vergangenen Donnerstag, in Hoyerswerda, habe ich eine Familie kennengelernt, die mir einen besonderen Einblick bot. Die Frau des Verstorbenen las mir aus Briefen vor, die ihr Mann ihr schrieb. Ich habe ihren liebevollen Erzählungen gelauscht und mir ins Bewusstsein gerufen, welches Privileg ich lebe, einen so nahen Einblick in die ganz individuellen Lebensgeschichten zu bekommen.

In der kommenden Zeit darf ich in verschiedene Bereiche des Bestattungsunternehmens EDEN schauen, so auch die Herrichtung zur Aufbahrung, Erdbestattung oder Verbrennung. Mein Gedanke dabei ist, ein Gefühl für Endlichkeit und auch die Handhabung mit eben dieser zu bekommen. Sie ist nun allgegenwärtig und meine Haltung zum Thema Tod bisher wenig definiert. Ich habe keinen direkten Glauben und denke auch nicht darüber nach, ob es ein Danach gibt. Ich schaue hin und höre zu, wenn mir Angehörige von ihrer Haltung erzählen. Ich freue mich, durch meine Berufung, einem klaren Bild von einem möglichen Danach oder auch der Endlichkeit näherzukommen. Mit meiner Ausbildung durch Sie habe ich mich dazu entschieden, dem Tod liebevoll einen Platz in meinem Leben zu geben. Dieser Platz soll beständig und wohlwollend bleiben.
Ich weiß nicht, welche Geschichten mein eigenes Leben noch schreiben wird. Klar ist, Ihren Kurs zu besuchen war eine der besten und wichtigsten Entscheidungen meines Lebens.

In tiefer Dankbarkeit möchte ich meine erste Rede mit Ihnen teilen. Sie finden sie daher anbei und können sie lesen oder hören. Die professionelle Aufnahme meiner Reden habe ich, dank der tollen Idee von Maria Knapp, in mein Repertoire mit aufgenommen.

Ich wünsche Ihnen einen besinnlichen Sonntag.
Mit lieben Grüßen


 

Maria Knapp (Sachsen)

22.03.2025

Lieber Herr Rostig,

Nun möchte ich Ihnen aber von meiner ersten Rede berichten. Sie war schon am 21.2.2025

Die Reitlehrerin meiner Tochter hatte im Januar einen Spendenaufruf in ihrem Whatsapp- Status. Ein Landwirt hier aus der Gegend war ganz plötzlich mit nur 36 Jahren verstorben und hinterließ unter anderem seine Verlobte mit einem erst fünf Monate alten Baby und einem vierjährigen Kind. Mich hat das extrem bewegt und nach etwas Recherche konnte ich seine Verlobte bei Facebook finden und habe sie angeschrieben und ihr angeboten, ihr die Trauerrede zu schenken. Sie meldete sich zwei Tage später und nahm meine Idee dankend an.

Das Verfassen der Rede ging mir leicht von der Hand, ich war sehr zufrieden mit meinem fertigen Werk. Die Musikwünsche waren herausfordernd für mich (Vater und Verlobte wussten nur, dass der Verstorbene gerne Schlager gehört hat, aber was genau konnten sie nicht sagen). Ich habe also mehrere Abende Schlagermusik hörend verbracht und habe zwei sehr schöne Titel gefunden, die ich vorab noch mit ihnen abgestimmt habe und die sie sehr schön fanden.

Drei Tage vor der Feier war ich beim zuständigen Bestatter in Königsbrück und hatte ein sehr schönes Gespräch. Der Senior Chef hat mir alles gezeigt und erklärt, er hatte damals schon den ersten Sohn der Familie bestattet. Meine erste Rede fand in einer wunderschönen und lichtdurchfluteten Trauerhalle (beheizt!!! ) statt und ich war so glücklich darüber. Bestuhlt war die Halle für 90 Personen...

Am Tag der Feier war ich seeeehr nervös und habe mich ein paar Mal selbst gescholten, warum ich unbedingt die Verlobte habe kontaktieren müssen... ;-) Als ich ankam, konnte ich noch in Ruhe alles testen - die Musik auf dem USB-Stick, das Mikrofon... alles klappte reibungslos. Zunächst waren nur ca. 30 Trauergäste zugegen. Ich ging dann noch ein kleines Stück spazieren, als ich wieder kam, war die Trauerhalle bis auf den letzten Platz besetzt und mein Herz sprang mir fast aus dem Brustkorb. Aber ich habe tief durchgeatmet und mir selbst Mut zugesprochen und wurde dann immer ruhiger. Dann fing die Musik an zu spielen und nach ca. 1,5 Minuten lief ich durch den Mittelgang zum Rednerpult und wurde mit jedem Meter ruhiger. Vorn angekommen, begrüßte ich alle Trauergäste per Blickkontakt (ja, sogar das mit dem Kopf geformte W ging mir von der Hand, als hätte ich es schon hundertmal gemacht) und ruhte auf einmal in mir. Es war soooo -schön zu sprechen. An zwei Stellen gab es sogar ein paar Schmunzler, über die ich mich sehr gefreut habe. Die Verlobte und auch der Vater hingen mir förmlich an den Lippen und ich habe richtig beobachten können, wie sie meine Worte aufnehmen und darüber nachdachten. Das war sehr schön.

Dann ging es zum Grab und auch dort die letzten Worte zu sprechen, empfand ich als sehr schön.

Auf der Heimfahrt und den ganzen restlichen Tag habe ich gestrahlt. Innerlich und äußerlich. Es war ein Tag der Gleichzeitigkeiten - einerseits die Trauerfeier mit dem Wissen, dass der Trauerprozess für die Familie erst so richtig losgeht, auf der anderen Seite war es Marthas´ 2. Geburtstag, den wir am Nachmittag noch gebührend gefeiert haben.

Eine Woche später war die Danksagung in der Sächsischen Zeitung und mir wurde namentlich an erster Stelle gedankt. Darüber habe ich mich sehr gefreut.

Vor zwei Wochen habe ich mich bei einem Bestatter in Bautzen vorgestellt und es war wider Erwarten (die Terminvereinbarung war holprig) ein sehr gutes Gespräch und die beiden Bestatter waren sehr angetan von mir und verabschiedeten mich mit den Worten "WIr sehen uns bestimmt bald wieder." Sie behielten Recht. Zwei Tage später erhielt ich meinen ersten Auftrag von ihnen, die Feier war gestern und ich habe sie als genauso schön empfunden wie die erste. Die Bestatterin war sehr zufrieden mit mir und freut sich auf weitere Aufträge mit mir. Nächste Woche schreibe ich nun meine erste Rechnung. Hurra!

Ach ja und am Mittwoch rief der Bestatter aus Königsbrück an und dort findet die nächste Trauerfeier für mich im April statt. Außerdem bin ich nächste Woche dort zum Probe arbeiten, ich werde dort wahrscheinlich auf geringfügiger Beschäftigungsbasis oder Teilzeit beginnen. Sie lassen mir vollkommen freie Hand, was ich genau machen möchte - entweder nur die administrativen Dinge im Hintergrund oder auch die Trauergespräche und wenn ich möchte auch die hygienische Versorgung der Verstorbenen.

Im Februar habe ich ein Existenzgründerseminar besucht, habe einen Businessplan geschrieben und den Gründungszuschuss bei der Arbeitsagentur beantragt. Da warte ich noch auf die finale Freigabe.

Ich bin sehr dankbar, wie sich nun alles zu entwickeln scheint. Die ersten Wochen waren sehr zäh, ich hatte mich schon bei verschiedenen Bestattern vorgestellt, aber irgendwie hat es nie so wirklich gepasst. Das hat mich ziemlich runtergezogen und ließ meine Selbstzweifel sehr anwachsen. Umso schöner ist das Gefühl jetzt und ich koste es voll aus.

Eins noch: Gestern lief während meiner Rede ein Song von Depeche Mode aus den 80ern. Es war eines der Lieblingslieder der Verstorbenen.  Auf der Heimfahrt habe ich erst mit Mihaly telefoniert und machte dann das Radio an. Es lief genau dieser Song!!!! Ich kann mich nicht erinnern, wann ich den mal im Radio gehört habe, es ist kein Hit, der gerade rauf und runter läuft. Ich hatte Gänsehaut am ganzen Körper und schickte ein "Danke" in den Himmel.

Nun ist meine Nachricht sehr, sehr lang geworden, aber es war mir einfach ein Anliegen, meine ersten Erfahrungen mit Ihnen zu teilen. Nach wie vor bin ich Ihnen so dankbar für die Ausbildung und Ihre Art, Ihr Wissen weiterzugeben. Ich hoffe, Sie sind gesund und können den nun endlich beginnenden Frühling in vollen Zügen genießen. Ich wünsche Ihnen in jeder Hinsicht alles Gute!

Viele liebe Grüße
Maria Knapp


 

Jennifer Blume (Sachsen-Anhalt)

Wernigerode, 06.06.2025

Lieber Dr. Rostig,

Heute hatte ich meine erste Rede und ich habe sie von Anfang bis Ende wunderbar hinbekommen. Ich bin sehr dankbar, dass alles so gut geklappt hat. Ohne ihren so wertvollen Kurs, wäre das sicher nicht so gut gelaufen. Vor der Rede war ich natürlich super nervös! Während der ersten 5 Blätter meiner Rede habe ich auch wie Espenlaub gezittert.
Aber ich konnte wahrnehmen, dass meine Worte die Familie berühren, gar lächeln ließen. Genau das wollte ich ja erreichen, eine Trauerfeier, die nicht nur traurig ist, sondern besonders von glücklichen Erinnerungen lebt.

Die Inhaberin des Bestattungsinstitutes war zu meinem Schrecken auch anwesend, das brachte das Ganze natürlich auf eine neue Ebene. Aber ich habe ein riesen Lob bekommen!
Sie sagte meine Rede war perfekt. Berührend, unfassbar liebevoll und ich habe ganz toll gesprochen. Als wäre es die 100. Rede. Sie freut sich sehr über die Zusammenarbeit und hofft, dass ich viele weitere Aufträge bei ihr annehme.
Das mache ich sehr gerne!
Sie war recht streng zu ihren Mitarbeitern, wirklich eine Perfektionistin, mit viel Liebe fürs Detail. Aber ich habe sogar eine Umarmung bekommen und habe einen Fototermin für meinen Internetauftritt auf ihrer Seite! Was für ein Erfolg!

Auch die Angehörigen der Verstorbenen waren sehr, sehr lieb und haben sich alle einzeln bedankt für die tolle Rede.
Ach lieber Dr. Rostig, ich bin wirklich glücklich!
Die letzten Tage waren wirklich eine Last. Ich war schon tagelang aufgeregt.

Aber die lieben Worte meiner Zuhörer haben mich jetzt sehr ermutigt und ich vertraue in Zukunft mehr auf mein Können. Wobei die Aufregung sicher nie ganz verschwinden wird.

Lassen Sie sich den Honig der Benzingeröder Bienen schmecken!
Vielleicht bis ganz bald im Harz, unsere Erlöserkirche in Benzingerode sollten sie sich nicht entgehen lassen.

Alles Liebe, Jenny